Sieger 2019 - Metropol Kurier GmbH, Basel

Anzahl Mitarbeitende: ca. 70
Standort: Basel-Stadt
Kontakt: Wiesendamm 2b
  4057 Basel
  061 777 77 00
  https://metropolkurier.com/
   

Der Regierungsrat vergibt den Basler Sozialpreis für die Wirtschaft 2019 an die Metropol Kurier GmbH Basel. Er würdigt damit ein Unternehmen, in welchem das soziale Engagement und der grosse Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden beeindruckend sind, gerade in dieser lebhaften Branche, die grossem Zeitdruck ausgesetzt ist.

Der Betrieb beschäftigt ca. 70 Mitarbeitende und besteht seit 15 Jahren.  Die Metropol Kurier GmbH sucht nicht speziell nach Mitarbeitenden mit Einschränkungen. Wenn eine entsprechende Anfrage kommt, ist die Offenheit im Betrieb aber gross. Je nach gesundheitlicher Beeinträchtigung und Wunsch ist es möglich, Teilzeit zu arbeiten, unterschiedliche Arbeitszeiten auszuprobieren und das Pensum zu verändern. Der Betrieb geht auf die Stärken und Schwächen der Mitarbeitenden ein. Der Zusammenhalt im Betrieb ist sehr gross. Die offene Kommunikation ist dem Betrieb wichtig. Es werden Arbeitsverhältnisse aufrechterhalten oder ermöglicht für Personen, die sonst auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen hätten.

Der Basler Sozialpreis für die Wirtschaft wurde von Regierungsrat Christoph Brutschin, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt überreicht. Die Preisverleihung fand im Grossratssaal im Rathaus Basel im Rahmen einer Lunchveranstaltung statt. Dr. phil. Ursula Meyerhofer Fahlbusch (menschundzukunft.com) hielt ein spannendes Referat zum Thema „Vielfalt fördern: Mehrwert und – auch Verluste?“. Dr. iur Nora Bertschi, Stv. Leiterin Amt für Sozialbeiträge und Francesco L. Bertoli, Präsident Behindertenforum und Jurymitglied, erklärten die Hintergründe und Ziele des Behindertenrechtegesetz.

(c) Kostas Maros, Photographer, Basel

 

„Stimmt die Basis, ist Vieles möglich“ – Metropol Kurier GmbH, Gewinner Basler Sozialpreis 2019

Anlässlich der Preisverleihung am 22. Mai 2019 im Basler Rathaus wurde die Metropol Kurier GmbH Basel mit dem Basler Sozialpreis für die Wirtschaft 2019 ausgezeichnet. In einem Interview erzählt Kathrin Schüepp unter anderem über ein besonderes Erfolgserlebnis des Kurierdiensts bei der beruflichen Integration leistungseingeschränkter Menschen.

Was hat die Metropol Kurier GmbH dazu bewogen, leistungseingeschränkte Menschen in ihrem Betrieb zu integrieren?

Inklusion gehörte bei der Metropol Kurier GmbH von Beginn an zur gelebten Betriebskultur. Nicht etwa, weil den orangen Fahrerinnen und Fahrern auf ihren Velos der Ruf anhaftet, “eine Ecke abzuhaben ”. Ein Kurierbetrieb vereint immer verschiedene Charakterköpfe. Die einen brauchen mehr Betreuung bei der Reintegration, andere verursachen administrativen Aufwand mit ihren Reiseplänen, Uni-Prüfungen oder wechselnden Lebensentwürfen. Bei uns hat jeder seinen Platz und die Gelegenheit, sich zu entwickeln.

Was war ein besonderes Erfolgserlebnis bei dieser Integration?

Ein besonders schöner Erfolg war, als ein Mitarbeiter, der über die IV zu uns gefunden hatte, wieder erfolgreich eine 100%-Stelle in seinem ehemaligen Berufsfeld antreten konnte: Er absolvierte während neun Monaten ein Jobtraining und erhöhte seine Stellenprozente schrittweise von 50% auf 80%. Nach dem Jobtraining konnten wir ihn bei uns erfolgreich anstellen und nach weiteren zehn Monaten war er wieder zu 100% einsatzfähig und stieg wieder in seinem Berufsfeld ein. Er besucht uns noch heute ab und an. Solche Erfolgsgeschichten sind grossartig und motivieren sehr.

Welche Tipps im Bereich der beruflichen Integration leistungseingeschränkter Menschen würde Metropol anderen Unternehmen auf den Weg geben?

Seid offen, neugierig und lasst euch überraschen, wie viel möglich ist. Die Entscheidung, ob und wie Integration gelebt wird, muss von der Geschäftsleitung kommen. Wenn diese Basis stimmt, dann kann ganz viel Tolles entstehen.

Welche anderen Branchen und Betriebe sieht Metropol als besonders prädestiniert dabei?

Ich denke, dies kann man nicht pauschal beantworten. So unterschiedlich die Teilnehmer sind, so unterschiedlich müssen auch die Betriebe sein. Ich halte die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen, für die wichtigste Voraussetzung.

Wie weit sind Metropol und die Branche (Nische), in der Metropol agiert, besonders geeignet für Integration und Rückführung?

Unser Betrieb bietet sowohl in der Büro-Logistik wie auf der Strasse gute Möglichkeiten, mit einem niedrigen Stellenpensum einzusteigen und dieses je nach Belastbarkeit auszubauen, um dann eine Festanstellung mit fairem Fixlohn zu bekommen. Dies erlaubt uns unsere flexible Betriebsstruktur und das gute Teamwork innerhalb der Firma; man hilft sich gegenseitig und unterstützt, wann immer möglich.

Wie haben die Metropol-Mitarbeitenden die Nachricht aufgenommen, den Basler Sozialpreis als Auszeichnung zu erhalten?

Die Freude darüber war sehr gross, und ein gewisser Stolz ist auch sehr gut spürbar.

Wie hat das Umfeld von Metropol diese Auszeichnung aufgenommen?

Für uns intern ist die Integration kein grosses Thema, sie  ist selbstverständlich und wird gelebt. Durch die Auszeichnung erhalten wir nun viel Anerkennung für dieses Engagement, oft bekommen unsere Kurierfahrer und Disponenten dies direkt von Kunden zu hören. Das freut uns immer wieder sehr.

Wie hat sich der Sozialpreis auf den Geschäftsverlauf bei Metropol ausgewirkt?

Das ist schwer auswertbar, unser Bekanntheitsgrad steigt natürlich durch die Auszeichnung, die Nennungen in den Medien und Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir sind gespannt, was da noch auf uns zukommt!

Welche Pläne oder Änderungen bezüglich Integration und Rückführung hat Metropol für die Zukunft?

Wir planen, zwei weitere Testarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, zudem haben wir das Preisgeld in die Elektromobilität investiert, dies öffnet wieder neue Felder und somit auch potentielle Einsatzmöglichkeiten für Menschen mit einer Leistungseinschränkung.

Das Interview mit Kathrin Schüepp, stellvertretende Geschäftsleiterin der Metropol Kurier GmbH, führten Martin Pütter, Mitarbeiter Information & Kommunikation des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt und Barbara Kupfer Bucher, Sekretariat des Basler Sozialpreises für die Wirtschaft, Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt.